Geschichte

Die Gegend um den Bussen ist Altsiedelland, spätestens von den Kelten besiedelt. Hiervon zeugten die keltischen Viereckschanzen auf dem Berg. Doch auch die Kelten waren nicht die ersten Bewohner dieser Region. Darauf weisen die steinzeitlichen Funde aus der Umgebung des Federsees hin, der nur wenige Kilometer entfernt von Uttenweiler liegt.

Auch um Uttenweiler selber wurden bronzezeitliche Bruchstücke gefunden, allerdings gibt es keinen Beweis dafür, dass die Ortschaft schon zu Beginn unserer Zeitrechnung gegründet war. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass die Ortschaft im 7. oder 8. Jahrhundert gegründet worden ist. Der Sage nach rührt ihr Name von der Seligen Uta her, die hier 722 gestorben sein soll.

Urkundlich genannt wird Uttenweiler erstmals im Jahre 1173 in einem alten Schriftstück des Klosters St. Blasien im Schwarzwald. Im Jahr 1382 verkauften der damalige Ortsherr Ulrich von Lochen und sein Sohn Lienhard ihr österreichisches Lehen Uttenweiler an die Brüder Burkhard und Berthold von Stein. Die von Steins waren nun bis 1693 Ortsherren von Uttenweiler unter österreichischer Hoheit. Berthold von Stein zu Uttenweiler erhielt das Recht, hier Stock und Galgen zu setzen sowie einen Jahr- und einen Wochenmarkt abzuhalten. Zu dieser Zeit war das kleine Gebiet um Uttenweiler eine unmittelbar dem Kaiser unterstellte Reichsritterschaft.

1449 stiftete der eben erwähnte Berthold von Stein das Augustinerkloster in Uttenweiler. Ein Jakob von Stein baute 1593 das Schloss Uttenweiler, führte eine Gerichtsordnung ein und stellte 1590 einen Scharfrichter an. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort stark mitgenommen. 1693 verlieh Kaiser Leopold das Rittergut Uttenweiler dem Jakob, Graf von Hamilton, der es 1695 an den Freiherrn Konstantin von Ulm-Erbach verkaufte.1702 erwarb das Kloster Marchtal die Herrschaft. 1710 wurde die Kirche St. Simon und Judas in Uttenweiler barockisiert. 1803 kam das Gebiet an Thurn und Taxis, 1806 an Württemberg.Bis 1973 gehörte Uttenweiler zum Kreis Saulgau, seitdem zum Landkreis Biberach.

Die Selige Uta von Uttenweiler

Uttenweiler hat das seltene Glück, eine eigene Heilige bzw. Selige zu besitzen, die Selige Uta, nach der angeblich der Ort den Namen erhalten hat. Um Uta ranken so viele und verschiedenartige Sagen und Legenden, dass man schließlich meinen könnte, alles sei frei erfunden und entbehre eines geschichtlichen Hintergrundes. Das dürfte nicht der Fall sein. Der 1967 verstorbene Heimatforscher Pfarrer Theodor Selig hat sich nach der Seligen Uta von Uttenweiler umgesehen und Wertvolles zutage gebracht:Im Heiligenverzeichnis der Diözese Konstanz, zu der gehörte Uttenweiler bis 1821, ist die Selige Uta von Uttenweiler seit Ende des Mittelalters immer wieder genannt. Diese Heiligenverzeichnisse wurde in jeder Diözese zusammengestellt, um die Heiligen der Heimat zu ehren: “S. Uta ligt zu Uttenweyler nit fern vorn Bussen, und hat das dorff den namen von ihr.” Damit ist gesagt, dass die Grabstätte der Seligen in Uttenweiler zu suchen ist. Die alte Oberamtsbeschreibung von 1827 vermutet, dass “die Grabhöhle, welche die Kirche enthalte, “Dautengrab” genannt, das Grab der Hl. Uta” sein könne. Bei einer uralten Erwähnung der Seligen ist noch die Jahreszahl 722 vermerkt, anderswo liest man das Jahr 821. Etwas Genaues wird man wohl nicht mehr herausbringen. Im Jahre 1765 verfasste Kaplan Senfft in Riedlingen eine Chronik der Stadt und legte auch ein ausführliches Verzeichnis der Heiligen der Diözese Konstanz an (Handschrift in der Dekanatsregistratur). Darin heißt es auf Seite 210: IIS. Utta zu Uttenweiler bei dem Bussenberg.

Lebensbild der Seligen Uta

Uta soll einem adeligen Geschlecht entstammen, das am Ortsrand des Dorfes, dem heutigen “Burgstall”, seinen Wohnsitz hatte. Eine besondere Liebe soll sie zu den Kindern gehabt haben. Mit großem Vertrauen wandte man sich an diesen Engel der Barmherzigkeit, wenn Kinder krank darniederlagen. Ihre unermüdliche Hilfsbereitschaft, ihre Bescheidenheit und lautere Güte, die keinen der Untertanen verachtete, die sich jedem verpflichtet fühlte, machte sie bei allen beliebt. Schon zu Lebzeiten ehrte man sie als eine wahre Schülerin dessen, der uns als höchsten Auftrag das Gebot der Liebe gab, – als eine Heilige.Die erste Burg der Ortsherren stand wohl draußen in der Nähe der heutigen Utakapelle, unmittelbar über dem mittleren Weiher, der wohl schon vor 100 Jahren trockengelegt wurde. Uta wird das eine Mal adeligem Stande zugerechnet, nach anderen Berichten soll sie “Dienstmagd” gewesen sein, die dort am Weiher ein Kind der Schlossfamilie rettete. Nach einer weiteren Fassung hat eine spätere Frau von Stein die Selige um ihre Hilfe angerufen, als ihr Kind in den Weiher fiel und, – im Falle der Erhörung, – die Stiftung des Klosters gelobt. Diese Fassung dürfte wohl nicht zutreffen, da der Stiftungsbrief des Berthold von Stein erhalten ist. Von einer wunderbaren Errettung eines Kindes ist in diesem nicht die Rede.

Als dann im Dorf selbst ein Schloss gebaut wurde, dürfte vor dem Ort beim mittleren Weiher schon ein kleines Heiligtum der Seligen bestanden haben. Sichere Kunde davon haben wir seit ca. 1620. Wie nachher weiter in “Der Selige Bruder Klaus von Uttenweiler” ausgeführt wird, wollte dieser aus Horb stammende Einsiedler nach der Franziskanerregel das St. Uta-Heiligtum behüten. Die Augustinermönche hatten für St. Uta nichts übrig. Kaum findet die Selige eine Erwähnung in der Klosterchronik. Dafür waren die Herren von Stein ganz große Verehrer und Förderer von St. Uta.In den Heiligenrechnungen (Kirchenpflege-Rechnungen) von Uttenweiler findet man immer wieder Einträge über einen “Dauten-Stock”. Es handelt sich da um einen Opferstock zu Ehren der Seligen Uta. 1577 z. B. wurden aus dem Opferstock eingenommen und aus “Sankt Tautengarn” gelöst 3 Gulden und 49 Kreuzer. 1585 hatte der Junker (Herr von Stein) aus dem Tautenstock 14 fl, 4 Batzen, 3 kr und 1 Heller übergeben. Im Jahre 1606 wurden auch Hühner geopfert und daraus 18 kr erlöst. Vom Jahre 1612 heißt es: “Am Festo Sebastiani aus S. Utten Stockh empfangen 19 fl 48 kr” und 1618: “von Sanct Utten Stockh in der Pfarrkürchen dis Jars geöffnet und darin befunden 10 fl 26 kr.”Interessant ist eine Notiz vom Jahre 1619 (als Beilage zur Rechnung dieses Jahres): jür das zu Constanz geschnitzte Sanct Uttabildt so 20 fl. gestandell brueder Niclausen diesmals daran erlegt 12 fl. 36 kr. – Item aus dem Sigelgeltt und von den bränschlissel 1 fl 30 kr. – Item wegen Sanct Utta bildt dem Bildhauer von Constanz den Überrest M. Hans Jakob dem Maler auszahlt mit 8 fl.” Auch im Jahre 1623 findet man noch Eintragungen: “Auss Sanct Uttenstock, so darein geopfert, auch in die Sigelbixs gefallen, und alles zu gutem gellt gerechnet thuet alles zusammen 14 fl 30 kr.”Dass nicht nur in Uttenweiler, sondern auch in der weiteren Umgebung St. Uta verehrt wurde, können wir aus einer kurzen Notiz im hiesigen Totenregister entnehmen. Am 10. März 1696 war der Engelwirt Johann Georg Gerumb von Ochsenhausen mit seinem schwerkranken Töchterlein Anna Maria zum Grab der Seligen Uta nach Uttenweiler gewallfahrtet, um die Genesung des Kindes zu erbitten. Das Kind aber starb im Gasthaus zum Hirsch, wo die Pilger Quartier bezogen hatten. Das tote Kind wurde dann auf dem hiesigen Friedhof bestattet.Großer Wallfahrtstag zum Grab der Seligen war gewöhnlich am 20. Januar. der zugleich Sebastianitag war. Seit 1615 dürfte hier eine solche Bruderschaft bestanden haben, denn in diesem Jahr wurde die hiesige Sebastiansbruderschaft mit Ablässen ausgestattet.Hundert Jahre nach Bruder Klaus wird ein weiterer Eremit als Hüter des St. Uta-Heiligtums genannt: Bruder Johannes Speth, der auch auf dem Dautenberg seine Klause hatte und am 4. Juni 1737 starb. Zur Zeit des Josephinismus (Joseph 11. von Österreich trieb die so genannte Aufklärung voran) wurden alle Andachten und Wallfahrten eingeschränkt. Übereifrige Priester, wie der damalige Pfarrer Schuh, wollten mit der St. Uta-Verehrung aufräumen. Ob es sich bei der früheren Grabhöhle (in der Nähe des jetzigen Taufsteines) in unserer Pfarrkirche wirklich um das Grab der Seligen Uta handelt, dürfte sehr fraglich sein. Wahrscheinlich handelte es sich um die Totengruft der früheren Ortsherren von Stein, die innerhalb der Kirche beigesetzt wurden.

Die Uta-Kapelle

Kamerer Holl und Kaufmann Traub ließen, wie ein Gedenkstein in der Kapelle erinnert, das heutige Heiligtum errichten, nachdem im Jahre 1947 die alte und baufällige Utakapelle an gleicher Stelle abgebrochen werden musste. Diese alte Kapelle war im Jahre 1875 von den Großeltern des Josef Albrecht, Stefan Moll und der Barbara, geb. Hepp, auf dem “Dautenberg” errichtet worden und wurde im Jahre 1904 laut Stiftungsurkunde an die Kirchenpflege mit einem Kapital von 600 Goldmark für die Instandhaltung derselben übergeben.Nach der Währungsreform konnte eine neue Kapelle erstellt werden. Diese wurde im Oktober 1950 feierlich durch Domkapitular Dr. Wurm eingeweiht. Der Flügelaltar stammt von Professor Burkart, Riedlingen und Frankfurt/M. Während das Hauptbild die Hl. Dreifaltigkeit zeigt, führen die vier Bilder der beiden Seitenflügel in die Ortsgeschichte und in die Geschichte der näheren Umgebung: Auf dem rechten Flügel ist die Selige Uta und darunter die Selige Adelindis von Buchau dargestellt, auf der anderen Seite Bruder Klaus (als Seliger) und darunter der Selige Abt Ernst von Zwiefalten. An der Nordwand der Kapelle befindet sich ein sehr altes Bildnis, das die Selige Uta darstellen soll. Es handelt sich, wie oben schon erwähnt, um jene Statue, die 1619 von einem Konstanzer Meister geschnitzt, vom Riedlinger Maler Hans Jakob gefasst und zum Teil vom Einsiedler Bruder Klaus selbst bezahlt wurde. Die Renovierung der Statue wurde 1949 von Bildhauer Retzbach, Stuttgart, durchgeführt, der auch eine neue St. Josefsstatue schuf. Auf dem kleinen Dachreiter hängt ein kleines Laurentius-Glöcklein, eine Stiftung des Kaufmanns Lorenz Traub.Von Oberlehrer Franz Josef Wild, der von 1910-1935 hier tätig war, stammt auch das St. Uta-Lied, das als Abschluss dieses Beitrags über die heimatliche Selige dienen möchte.

Lied zur Seligen Uta

O gute Uta, treue Magd, des Bussenlandes Zier, gabst unserm Dorf den Namen sein, Preis, Lob und Dank sei Dir! In großer Not hast Du gezeigt, was das Gebet vermag. Uns allen wend die Hilfe zu in jeder Lebenslag.O gute Uta, treue Magd, der Kinder Hort und Schutz, laß heut auch keins verloren sein, der bösen Welt zum Trutz. Steh bittend für die Kleinen ein, wenn sie der Strom der Zeit erfassen und vernichten will. Sei stets zur Hilf bereit!

Weiterführende Links:
Klöster in Baden-Württemberg: www.kloester-bw.de